KINDER und andere Verkehrsteilnehmer
Kindern gegenüber bemühen wir uns meist um eine liebevolle und persönliche Ansprache. Im Straßenverkehr gehen die Menschen dagegen ziemlich unpersönlich, fast anonym miteinander um.
Das kindliche Denken und Handeln wird stark von augenblicklichen Gefühlen geprägt. Der Straßenverkehr aber verlangt vernunftbetonte Entscheidungen nach festen Regeln.
In der Familie und im Kindergarten erlebt das Kind, daß auf seine Bedürfnisse eingegangen wird. Der Straßenverkehr aber verlangt die Einordnung unter Zurückstellung der eigenen Ansprüche.
Ein Kind denkt und handelt eben, ichbezogen˜ das heißt, es sieht sich immer im Mittelpunkt. Es erlebt seine Umwelt vorwiegend im Hinblick auf seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Deshalb ist es für sie auch schwer oder sogar unmöglich, Situationen und Ereignisse aus der Sicht eines anderen zu erleben.
Folglich unterscheiden Kinder auch nicht zwischen Sehen und Gesehen werden. Sie meinen was sie selbst sehen, das werden die anderen auch schon sehen. Vielleicht ist das auch eine Erklärung dafür, daß Kinder so oft zwischen Sichthindernissen auf die Fahrbahn treten. Sie vermuten, daß der Autofahrer sie sieht, weil sie ihn ja auch sehen.
In vielen Situationen, etwa vor dem Überqueren einer Fahrbahn auf dem Zebrastreifen, muß der Fußgänger Kontakt zu dem Autofahrer aufnehmen, um auch ganz sicher zu sein, daß er bemerkt wird und der Autofahrer anhält. Hier kann man beobachten, daß Kinder auf ein Zeichen aus dem Wageninnern, etwa ein deutliches Handzeichen, oft gar nicht reagieren und weiterhin stehenbleiben. Verspätetes, plötzliches Loslaufen kann dann zu schwerwiegenden Mißverständnissen führen.
Nicht nur das Hineinversetzen in den andern ist im Straßenverkehr wichtig, sondern auch die Fähigkeit, Geschehensabläufe und das Verhalten anderer gedanklich wahrzunehmen, also zu ahnen was im nächsten Augenblick passiert. Das Denken der Kinder ist vom Augenblick bestimmt, eine Voraussage über die Entwicklung einer Verkehrssituation ist ihnen kaum möglich. Die Gefährdung der Kinder geht in der Regel von den Erwachsenen aus.
In schwierigen Situationen können Kinder keine richtigen Lösungen für ihr eigenes Verhalten finden.
z.B. wenn das Kind beim Überqueren einer stark befahrenen Straße nicht nur ein Auto, sondern gleich mehrere beobachten muß; oder wenn es wegen parkender Autos nichts von der Fahrbahn sehen kann, oder wenn das Befolgen einer Verkehrsregel gefährlich wird, oder wenn es bei šgrün˜ losgeht, obwohl es offensichtlich von einem abbiegenden Autofahrer nicht gesehen wird. Es kann sich nicht in den Autofahrer hineinversetzen, der zu schnell und unachtsam um die Ecke biegt žDie Ampel zeigt ja schließlich šGrün˜ und dann darf man gehenœ.
Zusätzliche Schwierigkeiten entstehen dann, wenn Kinder regelwidriges Verhalten bei Erwachsenen beobachten. Was ist für das Kind richtig: die gelernte Regel oder das beobachtete Verhalten der Erwachsenen? Bedenken müssen wir dabei, daß kleine Kinder noch eine sehr šhohe Meinung˜ von uns Erwachsenen haben und uns blind vertrauen.
Kindern fällt es also schwer, komplizierte Situationen zu erfassen und angemessen darauf zu reagieren. Da helfen auch gutgemeinte Anweisungen nicht. Zumal, wenn sie so umfassend sind wie folgende:œ Blieb schön auch dem Gehweg und überquere die Fahrbahn erst bei der Kirche, denn da ist eine Ampel, aber achte hier auch auf die Abbieger und vergiß nicht gerade über die Fahrbahn zu gehen...œ
Eltern sind die besten Verkehrserzieher:
Überall werden mit Rollenspielen, Gesprächen, Spielen und spielerischen Übungen wichtige Beiträge zur Verkehrserziehung unserer Kinder geleistet. Aber reicht das ? Die Verkehrserzieher der Polizei sagen: Nein, denn Eltern stehen weitaus erfolgversprechendere Möglichkeiten zur Verfügung:
· Eltern können früh genug mit der Verkehrserziehung beginnen. Möglichst dann, wenn sie zusammen mit ihrem Kind am Straßenverkehr teilnehmen.
· Eltern können vom Kleinkind- bis zum Schulkindalter mit ihrem Kind immer wieder das richtige Verhalten im Straßenverkehr üben. Es steht fest: Einmaliges Üben hat kaum einen Zweck.
· Eltern können in der direkten Wohnumgebung üben. Praktisches Üben in der Verkehrswirklichkeit ist durch keine bisher bekannte Lernmethode zu ersetzen.
· Eltern können individuell mit ihrem Kind üben. Sie nehmen dabei auf die Entwicklung und die besonderen Fähigkeiten und Stimmungen ihres Kindes Rücksicht.
· Kleinkinder lernen in starkem Masse durch Nachahmung, besonders der eigenen Eltern.
Verkehrserziehung ist enorm wichtig und unverzichtbar - im Kindergarten, in der Schule und vor allem in der Familie.